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Stellenanzeige läuft ins Leere? Warum gute MFA sich nicht mehr bewerben

  • Für Arztpraxen, die Wert auf ihr Personal legen
  • 8 Min. Lesezeit

Die Stelle ist seit vier Monaten offen. Die Anzeige steht im Portal, vielleicht zusätzlich im Wochenblatt. Es kommen keine Bewerbungen, und wenn doch, dann passen sie nicht. Die naheliegende Erklärung lautet Fachkräftemangel, und daran ist etwas dran. Aber sie ist nicht die ganze Wahrheit.

Die Wahrheit ist unangenehmer: Gute MFA suchen nicht aktiv. Sie sind in Arbeit, sie haben keinen akuten Leidensdruck, und sie durchsuchen keine Stellenportale. Erreicht werden sie nur, wenn ihnen etwas begegnet, das interessanter ist als das, was sie gerade haben. Und dafür muss die Anzeige mehr leisten als eine Aufgabenliste.

Wie groß der Markt für Ihre Stelle wirklich ist

Die Zahl, die alles erklärt, stammt aus einer Befragung der Hochschule Fresenius München im Auftrag der Felix Burda Stiftung mit 1.205 Medizinischen Fachangestellten: Über 45 Prozent spielen mit dem Gedanken, den Beruf zu verlassen. Nur 20 Prozent wollen definitiv bleiben.

Das heißt für Sie zweierlei. Erstens: Der Kreis derjenigen, die überhaupt in Ihrem Beruf bleiben wollen, ist klein. Zweitens: Ein erheblicher Teil davon ist gerade unzufrieden und damit grundsätzlich ansprechbar, aber eben nicht auf der Suche. Diese Gruppe erreichen Sie nicht mit einer Anzeige, die darauf wartet, gefunden zu werden.

Warum die klassische Anzeige nicht mehr greift

Eine Stellenanzeige ist auf jemanden ausgerichtet, der aktiv sucht. Sie steht an einem Ort, den man aufsuchen muss, und sie ist so formuliert, dass sie mit hundert anderen austauschbar ist. Wer nicht sucht, kommt nie dort vorbei.

Dazu kommt der Inhalt. Die typische Anzeige beschreibt, was die Praxis will: engagiert, teamfähig, belastbar, flexibel, Erfahrung erwünscht. Sie beschreibt nicht, was die MFA bekommt. Für jemanden, der bereits eine Stelle hat, ist das kein Grund, irgendetwas zu tun.

Der eine Satz, der die meisten Bewerbungen kostet

Genauer: der Satz, der fehlt. Nach einer Auswertung von index Research nannten 2024 nur 21 Prozent aller Stellenanzeigen ein konkretes Gehalt oder eine Gehaltsspanne. Im Bereich Gesundheit, Medizin und Soziales waren es 20,7 Prozent. Vier von fünf Anzeigen schweigen also.

Anteil der Stellenanzeigen mit konkreter Gehaltsangabe
Alle Branchen 202012 %
Alle Branchen 202421 %
Gesundheit und Medizin 202421 %

Quelle: index Research, Auswertung von Stellenanzeigen, gerundete Werte. Gesundheit, Medizin und Soziales lagen 2024 bei 20,7 Prozent.

Gleichzeitig sagen laut einer StepStone-Studie zur Gehaltstransparenz 89 Prozent der Befragten, sie würden sich eher bewerben, wenn das Gehalt kommuniziert wird. Rund 60 Prozent haben bereits auf eine Bewerbung verzichtet, weil keine Angabe da war.

Dieselbe Stelle, zwei Anzeigen

Was fast überall steht

  • Engagiert, teamfähig, belastbar
  • Leistungsgerechte Vergütung
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Nettes Team
  • Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen erbeten

Was eine MFA lesen will

  • Gehaltsspanne in Euro
  • Kernzeit, Dienstplanregel, Freitagnachmittag
  • Vier MFA, drei über fünf Jahre dabei
  • Aufgabenanteile: Empfang, Labor, Wundversorgung
  • Name und Nummer reichen für den Anfang

Nach den Fragen, die in Bewerbungsgesprächen regelmäßig zuerst gestellt werden.

Das ist die wirksamste Änderung, die Sie an Ihrer Anzeige vornehmen können, und sie kostet Sie nichts außer Überwindung. Eine Spanne genügt. Wer Sorge hat, dass die bestehenden Mitarbeiterinnen es lesen: Diese Sorge ist berechtigt und sie ist ein eigenes Thema. Sie löst sich nicht dadurch, dass Sie schweigen, sondern nur dadurch, dass die Gehälter im Team stimmig sind.

Was eine MFA wirklich wissen will

In Gesprächen kommen immer dieselben Fragen, und zwar in dieser Reihenfolge. Danach sollte die Anzeige aufgebaut sein.

Frage der BewerberinWas meist dastehtWas dastehen müsste
Was verdiene ich?NichtsEine konkrete Spanne, plus wovon die Einordnung abhängt
Wie sind die Arbeitszeiten wirklich?„Flexible Arbeitszeiten"Die tatsächlichen Sprechzeiten, wie oft Überstunden anfallen, wie der Dienstplan entsteht
Wie ist das Team?„Nettes Team"Wie viele, wie lange dabei, wer die Ansprechpartnerin ist
Was mache ich den ganzen Tag?„Alle anfallenden Tätigkeiten"Der Anteil an Empfang, Labor, Assistenz, Wundversorgung, Impfmanagement
Wie geht es weiter?NichtsWelche Fortbildung, welcher Verantwortungsbereich, in welchem Zeitraum

Wenn Sie diese fünf Fragen ehrlich beantworten, ist Ihre Anzeige bereits besser als der allergrößte Teil dessen, was draußen steht. Das ist keine Übertreibung, sondern eine schlichte Folge davon, dass fast alle dasselbe schreiben.

Was Sie über den Wettbewerb wissen sollten

Ihre Anzeige steht nicht allein. Sie steht neben der Praxis zwei Straßen weiter, neben dem MVZ und neben dem Klinikum, das planbare Schichten und eine Kantine bietet. Gegen diese Konkurrenz gewinnen Sie nicht über die Größe, sondern über die Dinge, die eine kleine Praxis strukturell besser kann.

  • Überschaubarkeit. Man kennt alle, es gibt keine Abteilungswechsel, keine anonyme Personalabteilung.
  • Direkter Draht. Wer etwas ändern will, spricht mit der Chefin und nicht mit drei Instanzen.
  • Patientenbindung. Man kennt die Menschen über Jahre, das gibt es im Krankenhaus so nicht.
  • Verlässliche Zeiten. Keine Nachtdienste, keine Wochenendrotation, wenn Sie es richtig planen.

Diese Punkte gehören in die Anzeige, und zwar konkret formuliert. „Familiäres Team" sagt nichts, „vier MFA, drei davon seit über fünf Jahren dabei" sagt genau dasselbe und ist überprüfbar.

Ehrlich sein zahlt sich aus

Es ist verlockend, die schwierigen Seiten wegzulassen. Wenn der Freitagnachmittag lang ist, wenn die Praxis eng ist, wenn die Digitalisierung hinterherhinkt: Schreiben Sie es hin. Wer es erst im Gespräch oder in der Probezeit erfährt, geht wieder, und Sie fangen von vorne an, diesmal mit einer Lücke im Team und einer verbrannten Anzeige.

Ehrlichkeit hat außerdem einen Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Sie wirkt. Eine Anzeige, die einen Schwachpunkt zugibt und daneben erklärt, was dafür gut ist, klingt nach einem echten Arbeitsplatz und nicht nach einer Textvorlage.

Zwei Anzeigen im Vergleich

Der Unterschied lässt sich an einem Beispiel schneller zeigen als erklären. Beide Texte beschreiben dieselbe Stelle.

Fassung A: „Für unsere moderne Hausarztpraxis suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine engagierte MFA (m/w/d) in Voll- oder Teilzeit. Sie sind teamfähig, belastbar und arbeiten selbstständig. Wir bieten ein nettes Team und eine leistungsgerechte Vergütung. Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung."

Fassung B: „Wir sind eine Hausarztpraxis in Fürth mit zwei Ärztinnen und vier MFA, drei davon seit über fünf Jahren dabei. Wir suchen Verstärkung für 30 bis 38 Stunden. Das Gehalt liegt je nach Erfahrung zwischen X und Y, der Dienstplan steht vier Wochen im Voraus. Ihr Tag besteht etwa zur Hälfte aus Empfang und Organisation, zur anderen Hälfte aus Blutentnahme, Wundversorgung und Impfmanagement. Fortbildung ist bei uns eingeplant, nicht erkämpft. Melden Sie sich mit Namen und Telefonnummer, alles Weitere besprechen wir persönlich."

Fassung B ist nicht schöner geschrieben. Sie beantwortet nur Fragen, statt Eigenschaften zu verlangen. Und sie enthält nichts, was nicht wahr sein müsste.

Der Ort ist genauso wichtig wie der Text

Selbst die beste Anzeige wirkt nicht, wenn sie an einem Ort steht, an dem niemand vorbeikommt. Wer Menschen erreichen will, die nicht suchen, muss dorthin, wo diese Menschen ohnehin sind, und das ist heute das Smartphone in einer freien Minute.

Daraus folgt auch die Anforderung an das Ziel: Wer auf eine Anzeige klickt, sollte nicht in einem Portal mit fremdem Logo landen, sondern auf einer Seite, die zu Ihrer Praxis gehört und genau die fünf Fragen von oben beantwortet. Alles andere wirkt austauschbar, und Austauschbarkeit ist bei einer Stelle, die man nicht sucht, das Todesurteil.

Die Reaktionszeit entscheidet

Wer sich abends aus einem Impuls heraus meldet, ist am nächsten Tag schon wieder unsicher. Wenn dann drei Tage nichts passiert, ist die Sache erledigt. Eine Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden ist kein Nice-to-have, sondern der Unterschied zwischen einem Gespräch und einer verlorenen Bewerbung.

Praktisch heißt das: Legen Sie vorher fest, wer Bewerbungen sichtet und wann. Am besten täglich zu einer festen Zeit, zehn Minuten reichen. Und halten Sie eine Standardantwort bereit, mit der Sie innerhalb eines Tages einen Gesprächstermin anbieten können, auch wenn Sie die Unterlagen noch nicht im Detail gelesen haben.

Die Hürde für den ersten Schritt senken

Ein vollständiger Lebenslauf mit Anschreiben ist für jemanden, der nur neugierig ist, eine zu hohe Hürde. Name, Telefonnummer und ein Satz reichen für den Anfang. Alles Weitere klären Sie im Gespräch, und wenn es passt, kommen die Unterlagen später ohnehin.

Das gilt besonders für Wechselwillige in ungekündigter Stellung. Diese Gruppe schreibt kein Anschreiben um 22 Uhr auf dem Sofa. Sie tippt drei Felder aus oder sie tut gar nichts.

Die häufigsten Formulierungsfehler

  • „Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt." Sagt nichts. Nennen Sie einen Monat, dann kann jemand seine Kündigungsfrist dagegenhalten.
  • „Leistungsgerechte Vergütung." Wird als Warnzeichen gelesen, weil es fast immer bedeutet, dass nach Tarif oder darunter gezahlt wird.
  • „Belastbarkeit." Für jemanden, der ohnehin über der Grenze arbeitet, ist das eine Drohung, keine Anforderung.
  • „Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen." Erhöht die Hürde genau dort, wo Sie sie senken müssten.
  • Eine Liste von zwölf Anforderungen. Wer drei davon nicht erfüllt, bewirbt sich nicht, auch wenn er die Stelle problemlos ausfüllen würde.

Der letzte Punkt ist der teuerste. Beschränken Sie sich auf das, was wirklich Voraussetzung ist, und schreiben Sie dazu, was man bei Ihnen lernen kann. Damit vergrößern Sie den Kreis der Menschen, die sich überhaupt angesprochen fühlen.

Was Sie messen sollten

Zwei Zahlen: Wie viele Menschen sehen Ihre Anzeige, und wie viele davon melden sich? Wenn viele sehen und niemand schreibt, stimmt der Inhalt nicht, dann fehlt meist das Gehalt oder die Antwort auf eine der fünf Fragen. Wenn kaum jemand sieht, stimmt der Ort nicht, dann brauchen Sie Reichweite statt besserer Formulierungen.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil beide Probleme sich gleich anfühlen und völlig verschiedene Lösungen brauchen.

Quellen

  1. index Research: Auswertung zur Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen (2024)
  2. StepStone: Gehaltsprognosen und Gehaltsangaben in Stellenanzeigen (2024)
  3. Felix Burda Stiftung / Hochschule Fresenius München: Studie zur Arbeitssituation von MFA, 1.205 Befragte (2024)

Häufige Fragen

Muss ich das Gehalt in die Stellenanzeige schreiben?

Müssen nicht, sollten unbedingt. Nach einer StepStone-Studie würden sich 89 Prozent eher bewerben, wenn das Gehalt kommuniziert wird, und rund 60 Prozent haben schon auf eine Bewerbung verzichtet, weil die Angabe fehlte. Gleichzeitig nannten 2024 nur etwa 21 Prozent der Anzeigen ein Gehalt.

Warum bekomme ich trotz Anzeige keine Bewerbungen?

Weil gute MFA meist in Arbeit sind und nicht aktiv suchen. Über 45 Prozent denken laut Fresenius-Studie sogar über den Ausstieg aus dem Beruf nach. Diese Gruppe erreichen Sie nicht dort, wo gesucht wird, sondern dort, wo sie sich ohnehin aufhält.

Wie schnell muss ich auf eine Bewerbung reagieren?

Innerhalb eines Tages. Wer sich aus einem Impuls meldet, verliert das Interesse schnell wieder, und die schnellere Praxis bekommt das Gespräch.

Was, wenn mein Team die Gehaltsangabe liest?

Das wird es. Diese Sorge ist berechtigt, löst sich aber nicht durch Schweigen, sondern nur dadurch, dass die Gehälter im Team stimmig sind. Eine neue Kollegin, die mehr verdient als die Kollegin mit zehn Jahren Erfahrung, wird ohnehin bekannt.

Reicht eine Anzeige im Wochenblatt noch?

Für aktiv Suchende in der Region ja, für Wechselwillige in ungekündigter Stellung kaum. Die erreichen Sie über das Smartphone, und das Ziel des Klicks sollte eine Seite sein, die zu Ihrer Praxis gehört.

Mitarbeiter finden

Seit Monaten eine Stelle offen, und es kommt einfach keine Bewerbung?

Eine Karriereseite, die Ihnen gehört, dazu gezielte Anzeigen, die auch die erreichen, die gar nicht aktiv suchen.

Lieber direkt? 0911 1440 8532

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